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Lektion 1 - Goldener Schnitt


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von Sylvia Kriese aus Kayna (alle Beiträge von Sylvia)
Für unsere späteren Ausführungen mit Pinsel und Farbe, brauchen wir zunächst elementares Wissen rund um das Darstellen und Zeichnen. In unserer ersten Lektion beschäftigen wir uns mit dem wohl wichtigsten Gestaltungsmittel aller Kreativen: dem Goldenen Schnitt. Diese Übung sieht auf den ersten Blick etwas Mathematisch und kompliziert aus, aber mitmachen lohnt sich, denn durch einfache Schritte können Sie alles gut nachvollziehen.
Bereits die alten Philosophen in der Antike haben festgestellt, dass das menschliche Auge ein ganz bestimmtes Teilungsverhältnis bevorzugt. Dieses Teilungsverhältnis beschreibt eine Proportionierung, die aus der Natur abgeleitet werden kann. Demnach ist selbst der menschliche Körper in einem ganz bestimmten Verhältnis aufgebaut, wie auch viele andere Körper oder Pflanzen. In vielen Lebensbereichen kann man dieses faszinierende Phänomen beobachten, doch man muss die theoretischen Grundlagen kennenlernen, um es zu verstehen und selbst anwenden zu können.

Erklärung:

Allgemein beschreibt man das Teilungsverhältnis mit 1/3 zu 2/3.

Wer es genauer wissen:
Man spricht vom Goldenen Schnitt wenn eine Strecke AB so zweigeteilt wird, dass die ganze Strecke AB zur längeren Teilstrecke AC im gleichen Verhältnis steht, wie AC zur kürzeren Teilstrecke CB.

Dieses Verhältnis beträgt 1,6180 : 1.



Machen Sie die folgende Übung, um den GOLDENEN SCHNITT zu verstehen.


1. Zeichnen Sie ein Quadrat mit den Maßen 7 x 7cm.



2. Halbieren Sie die Unterseite (a) des Quadrats durch den Punkt A. Von diesem Punkt aus ziehen Sie eine Diagonale zur gegenüber liegenden Ecke B. Diese Diagonale wird nun zum Radius eines Kreisbogens, welcher zur Seite a führt. Der Schnittpunkt zwischen der Seite a und dem Kreisbogen heißt C. C und B sind jetzt also gegenüberliegende Punkte eines neuen kleinen Rechtecks. ‚Verschmilzt‘ das neue Rechteck mit dem ‚alten‘ Quadrat, erhalten wir ein GOLDENES RECHTECK.



3. Wir führen unsere Analyse zum Goldenen Schnitt weiter, indem wir die Ecken des Goldenen Rechtecks so verbinden, dass eine Seite des ‚alten’ Quadrats geschnitten wird. Außerdem ziehen wir eine weitere Diagonale im ‚neuen’ Rechteck.



4. Als nächstes zerlegen wir unser ‚neues’ Rechteck in viele kleine, indem wir anhand der gestrichelten Linien stets neue goldene Teilungslinien bestimmen. Diese beginnen jeweils da, wo die innere Linie durch eine Diagonale geschnitten wird. Das Ergebnis sind viele jeweils kleiner werdende goldene Rechtecke.  Wir haben ein Verhältnis der Teilung gefunden, welches uns angenehm erscheint.



5. Ein letzter Schritt wird die Geometrie dieser Übung aufbrechen um Ihnen zu zeigen, dass Schwung und Natürlichkeit in dem Goldenen Rechteck steckt. Verbinden Sie von der Ecke oben links beginnend, die jeweiles gegenüberliegenden Ecken der Rechtecke mit einem Kreisbogen. So entsteht eine kontinuierliche gebogene Linie, deren Radius sich stetig verengt.



6. Zeichnen Sie die gestrichelte Linie in einem Schwung nach. Sie erhalten eine Kurve, welche auch GOLDENE SPIRALE genannt wird. Erkennen Sie das natürliche Prinzip einer Muschel?

 
7. Schneiden Sie abschließend alle quadratischen Flächen einzeln aus. Wir werden diese Quadrate für die zweite Übung benötigen.





Machen Sie folgende Übung mit einem Blatt Papier, um den idealen Platz für ein Textfeld oder ein Bild zu finden. 


1. Knicken Sie Ihr Blatt mittig.



2. Knicken Sie Ihr Blatt so, dass die äußeren Ecken den Mittelpunkt erreichen.



3. Nun wird das Blatt so geknickt, dass die Diagonalen über das ganze Rechteck gehen.



4. Der näher am Blattrand liegende Schnittpunkt A beider Linien ist Ausgangspunkt für einen senkrechten Bleistiftstrich zum Blattrand.



5. Der neugefundene Punkt B am Blattrand ist Bezugspunkt für den nächsten Strich, welcher …



6. … zum parallelen Schnittpunkt zu A, nämlich C gezogen wird. Diese gerade gezogene Verbindungslinie schneidet nun die als erstes gefaltene Diagonale.



7. Ausgehend vom Berührungspunkt wird waagerecht nach rechts eine Linie gezogen, bis die Diagonale, die das ganze Blatt teilt, erreicht ist. Von diesem Punkt wird dann eine senkrechte Lineie nach oben gezeichnet, die die halbseitige Diagonale schneidet. Dann wird das Rechteck vervollständigt.



8. Et voila! Sie haben ein harmonisch-proportioniertes Feld bestimmt. Nehmen Sie nun die Quadrate aus unserer ersten Übung zur Hand. Legen Sie die Farbfelder in verschiedener Ordnung zu einander vor sich und beobachten Sie, ob Ihnen die Anordnung gefällt, oder nicht. Platzieren Sie die Quadrate im gekennzeichneten Feld auf dem Blatt oder daneben.

  
  


Die letzte Übung dient als Vorbereitung für unsere nachfolgende Lektion. Nehmen Sie Papier und Stift zu Hand und üben Sie, Ihrem Blatt eine harmonische Teilung, für ein Motiv zu geben.

1. Ziehen Sie eine Art Steuerkreuz auf dem Blatt. Bedenken Sie was eine harmonische Teilung auf einem Blatt ausmacht. Probieren Sie viele Varianten aus. Grob gesagt, kann man von einem 1/3 Verhältnis ausgehen. An dem Kreuzungspunkt befindet sich die spannendste Ecke Ihrer möglichen Komposition.



2. Nehmen Sie erneut die in der ersten Übung ausgeschnittenen Rechtecke zur Hand und variieren Sie die Position der Rechtecke auf dem Blatt. Zeichnen Sie skizzenhaft auf einem zweiten Blatt Papier mindestens drei ansprechende Varianten auf. Probieren Sie dabei die Flächen rund um das Kreuz zu legen, oder platzieren Sie die Farbflächen wild auf dem Papier. Entscheiden Sie, welche Komposition am besten aussieht.

Allgemein gilt: beobachten Sie Ihre Umwelt! Wenn sie Gelegenheit haben, versuchen Sie ein Schneckenhaus zu malen oder in Strichen das Verhältnis eines Goldfisches zu verstehen. Aufmerksamkeit für die Umgebung ist die beste Grundlage um Gesehenes zu verewigen.

Viel Spaß beim Üben!

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